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Das Wichtigste

Auf der Wäscheleine wehen die Bettlaken und Handtücher etwas wehmütig im Wind und erinnern mich daran, dass unser Besuch wirklich nicht mehr da ist. Es war so eine schöne und intensive Zeit, zwei große Familien zusammen für einige Tage, ich freue mich so, dass wir es gewagt haben und die liebe Sonja mit ihrer Familie auch, denn wir kannten uns bisher nur durchs Bloggen – und nun haben wir gute Freunde gewonnen! 

Mir kommt ein Text in den Sinn, den ich schon vor einiger Zeit geschrieben habe, über Beziehungen und das Wichtigste, es war mir irgendwie zu simpel und gleichzeitig zu groß, als dass ich gewagt hätte, darüber zu bloggen. 

Seit die coronabedingten Kontaktbeschränkungen wieder gelockert worden sind, konnten wir hier alte und neue Freunde und Familie für einen Nachmittag oder auch einige Tage zu Gast haben. Eigentlich war das unser Wunsch für dieses Haus von Anfang an, ein Zuhause, eine Oase im turbulenten Alltag für uns zu sein, aber auch für Gäste Raum zu haben. Das Haus hat Platz und ich freue mich, dass ich mich nach den familienphasenmäßig sehr herausfordernden vier Jahren, die wir hier schon wohnen, endlich kräftemäßig in der Lage fühle, auch Besuch zu haben.

Und ich staune, wie wir mit dem, was wir in Corona-Lockdown-Zeiten mit am meisten vermisst haben, nun schon so vielfach gesegnet worden sind: mit Begegnungen Face to Face und von Herz zu Herz für die ganze Familie (die Formulierung habe ich bei der lieben Antschana geklaut).

Das war nun schon vor ein paar Wochen. Seitdem hat uns der Trubel um den Schuljahresstart schon wieder umgetrieben, geplante Besuche mussten ausfallen und mein Artikel ruhte vor sich hin.

Vor ein paar Tagen war ich wieder dabei, Wäsche aufzuhängen. 

Die Sonne wärmt meine Haut und ich genieße den frischen Duft der feuchten Wäsche vor meiner Nase, während ich mit einer besten Freundin telefoniere. „Warum haben wir es eigentlich einen ganzen Sommer lang nicht geschafft, uns zu treffen, obwohl wir es doch so gerne wollten?“, fragen wir uns und kommen so einigen inneren und äußeren Antreibern und Sätzen auf die Schliche, die uns Prioritäten für unser Leben diktieren, die wir eigentlich gar nicht so leben wollen. 

Mir kommt wieder der Text in Erinnerung über das Wichtigste…

Was ist denn eigentlich das Wichtigste im Leben? Ich will darunter das verstehen, was das Leben glücklich macht, was erfüllt und dem Leben einen Sinn gibt.

In unserer Gesellschaft wird dies so oft mit Leistung, Erfolg und Wohlstand gleichgesetzt, und – wer hat den Satz nicht schon gehört oder vielleicht auch gesagt: „Hauptsache gesund.“

Je länger die Coronakrise andauert, desto mehr gewinne ich den Eindruck beim Verfolgen der öffentlichen Diskussionen in Politik und Medien, dass es vor allem diese Aspekte sind, die in den Vordergrund drängen und für das Wichtigste gehalten werden. Ich höre sehr viel: Unsere Gesundheit ist in Gefahr! Oder: Unsere Bildung ist in Gefahr! Unser Wohlstand ist in Gefahr! Als ob das alles wäre, was unser Leben ausmacht, was uns glücklich macht. Alle schauen auf das Sichtbare und Messbare, aber der Zustand unseres Körpers, unser Lebensstandard und Besitz sind nicht das, was unser Menschsein ausmacht. 

Dann gibt es noch die Stimmen, die sagen: Unsere persönliche Freiheit ist in Gefahr! Da kommen wir unserem Menschsein also nochmal von einer anderen Seite auf die Spur. Wir haben einen „inneren Menschen“, der denken, wollen und fühlen kann, jeder auf ganz einzigartige Weise, es ist wichtig, dass unsere Individualität wertgeschätzt wird, unsere Persönlichkeit und unser Wille sich entfalten können. Aber gleichzeitig möchte dieser innere Mensch vor allem lieben und geliebt werden, denn er ist dafür geschaffen, in Beziehung zu anderen Menschen zu treten und Beziehungen zu leben. Wir sind soziale Wesen, die auf ein Miteinander ausgelegt und angewiesen sind. 

Die persönliche Freiheit ist ein hohes Gut, aber sie hat ihre Grenzen da, wo sie die Freiheit anderer einschränkt. Und sie braucht Grenzen, denn wir brauchen Sicherheit und Geborgenheit und wir brauchen die anderen und ein Miteinander mit Verbindlichkeit und Verlässlichkeit.

Auch Gesundheit und Wohlstand haben einen hohen Wert, den wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollten, den es zu bewahren gilt, aber beides macht weder glücklich noch das Leben lebenswert, beides ist keine Garantie für ein erfülltes Leben. Als Mutter einer Tochter mit Behinderung wird mir immer ganz anders, wenn ich die Maxime höre „Hauptsache gesund“.

Dagegen kann man ein glückliches und erfülltes Leben auch ohne Wohlstand und gute Gesundheit haben, wenn man nämlich das hat, was das wichtigste im Leben ist (- und es gibt einige Studien, die diese Zusammenhänge belegen):

Das Wichtigste im Leben sind gute Beziehungen!

Gute, verbindliche (Ver-)Bindungen zu anderen Menschen, zu dem Gott, der der Ursprung meines Lebens ist und mich gewollt hat und nicht zuletzt zu mir selbst.

Wir leben von Beziehungen zu Menschen,
denen es nicht egal ist, wie es uns geht,
die uns und unseren Anliegen Aufmerksamkeit schenken.
Die uns ansehen, ob es uns schlecht geht
und Verständnis äußern, wenn wir erzählen, was uns beschäftigt.
Die uns in den Arm nehmen und trösten, wenn wir traurig oder ängstlich sind
und sich mitfreuen, wenn wir uns freuen.
Die sich solidarisch zeigen, wenn uns Unrecht geschieht oder wir leiden
und uns Schutz gewähren und uns ermutigen durchzuhalten.
Die sich dafür interessieren, wofür unser Herz brennt,

was unsere Wünsche und Träume sind
und uns Mut machen, unser Ziel zu verfolgen.
Die wahrnehmen, was wir gut können und es uns anerkennend rückmelden.
Die sich Zeit für uns nehmen, wenn wir es brauchen
und uns ihre Hilfe anbieten.
Die ihren Alltag mit uns teilen,
sich mit uns streiten, einander um Verzeihung bitten und

sich wieder mit uns versöhnen können.
Die Missverständnissen, Schwächen und Fehlern

mit Humor, Gelassenheit und Gnade begegnen können.
Die uns grundsätzlich Vertrauen entgegen bringen
und sich vertrauenswürdig verhalten,
auf die wir uns verlassen können.
Die uns wohlgesonnen sind,
hinter unserem Reden und Verhalten Gutes vermuten
und nicht alles misstrauisch und kritisch beäugen.
Die Meinungsverschiedenheiten aushalten können
und wissen, dass kein Mensch die volle Wahrheit erkannt hat.
Die uns bedingungslos lieben wollen
und deren Herzenshaltung uns gegenüber von Respekt
und Wertschätzung unserer Persönlichkeit geprägt ist,
die uns in unserer Art ernst nehmen.
Die den Sinn der Beziehung in einem gegenseitigen Geben und Nehmen sehen
und das Beste für uns tun und uns glücklich sehen wollen.
Die selbst offen und ehrlich sind,
sich und ihr inneres Erleben mitteilen
und den Austausch und die Gemeinschaft zu einem bereichernden Miteinander werden lassen.

gemeinsam gegen die Flut am Elbstrand

Wer kann schon behaupten, so Beziehungen leben zu können? Ich bin nicht Gott.
Aber eben: Gott kann und will! Kannst du dir das vorstellen? Er möchte diese Gemeinschaft mit uns haben und kommt uns auf solche Weise entgegen. Ich finde das so großartig.

Und wir dürfen lernen so zu leben.

Ich juble über jeden entlarvten inneren Antreiber und Satz, der nicht mehr blockieren kann und jeden gelösten äußeren Zwang, über jeden freisetzenden Schritt um gute Beziehungen leben zu können!

Ich juble, über jede neue oder tiefer werdende Freundschaft, über gute, gesunde, heil werdende Beziehungen und bin so dankbar, für alle, die ich habe.

Ich wünsche dir von Herzen ganz viel davon! Sei gesegnet.

Die Wäsche flattert auf der Leine und erinnert mich an Friedensflaggen und Willkommenswimpel. Als ob sie sagen will: Hier darf gelebt werden. Hier ist ein Ort des Friedens.
Schön, dass du da bist oder warst! Schön, dass es dich gibt! Sei willkommen vielmals!

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