Erprobt, Muttersein, schnelle Küche

Mama, was gibts zu essen

Ich will was zum Thema Familienessen schreiben? Etwas gegenseitige Inspiration für den Menüplan gerade in Coronazeiten finde ich an manchen Tagen geradezu über-lebens-wichtig, und deswegen habe ich mich mit einigen anderen bloggenden Mamas auf Danielas Initiative hin zusammengetan zu einer kleinen Blogparade.

Aber worauf habe ich mich da eingelassen, wo ja nun kochen und backen nicht gerade meine Leidenschaften sind und ich zum Thema Foodfotografie nicht viel beizutragen habe? Eher lässt sich hier ein Bild von dreckigem Geschirr auftreiben…

Abwasch… schon wieder… und überhaupt

…aber dieses gefällt mir richtig gut, nicht der unerledigte Abwasch, sondern das Geschirr! Und das ist schon der erste Punkt, über den ich dir etwas erzählen kann: es schmeckt viel besser, wenn man aus schönem Geschirr isst. Meine Leidenschaft ist wirklich mehr die Keramik als das Kochen, wenn ich Frust, schlechte Laune oder Langeweile bearbeiten muss, fällt mir eher nicht ein, dies in der Küche auszutoben, lieber würde ich mich mit einem Klumpen Ton abgeben und etwas Schönes daraus machen…
Unser Geschirr habe ich allerdings gekauft, und das war eine wunderbare Anschaffung, weil die Küchenarbeit gleich vielmehr Spaß macht, wenn dir gefällt, was du da täglich mehrmals in die Hand nimmst und auf den Tisch deckst, noch besser, dass das Ganze kein Vermögen gekostet hat und nachkaufbar ist, so dass dir nicht das Herz stehen bleibt, wenn mal etwas runterfällt.

Doch da muss ich gleich noch einmal einhaken, denn das, was „Spaß“ machen soll, ist ja nicht nur die Arbeit, sondern vor allem das gemeinsame Essen. Wir verbringen einen großen Teil unserer Familienzeit am Esstisch und wollen dies zusammen genießen.

„Ich singe ein Loblied auf die Freude! Es gibt für einen Menschen nichts Besseres auf der Welt, als dass er isst und trinkt und sich an seinem Leben freut. Das wird ihn während seines ganzen Lebens, das Gott ihm gibt, und trotz aller Mühe, die mit seiner Arbeit verbunden ist, begleiten.(Prediger 8,15)

Was ist das für eine große Wertschätzung und Bedeutung für unser Glücklichsein, die der Prediger da dem Essen und Trinken beimisst!
Da ist es geradezu logisch, dass eine der täglich wichtigsten Fragen an mich lautet: „Mama, was gibt’s zu essen?“. Und gerade in so eintönigen ungewöhnlichen Zeiten wie im Moment sollte da ja auch etwas Leckeres auf den Tisch kommen, was möglichst alle essen mögen, bei 7 Personen schon fast die Quadratur des Kreises, aber zum Glück ist ja interessanterweise eher einfach immer am besten. Bei uns findest du selten Feinschmeckergerichte auf dem Tisch und auch eher wenig, was den neuesten, trendigsten Ernährungsideen entspricht. Familientauglich bedeutet für uns, schnell und einfach zubereitet, möglichst für alle lecker und verträglich und dabei gesund und ausgewogen. 

meine Kinder haben für fotogene Brote gesorgt :)

Und da geht es ja dann schon los mit den Schwierigkeiten: was koche ich denn nun für alle zusammen? Wir haben ein paar Erfahrungen mit Verdauungsproblemen und Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten gemacht und nach anfänglich strengerer Extrakost bin ich jetzt bei einem relativ einfachen Grundsatz für gesunde Ernährung gelandet, den ich aus dem Heilfastenratgeber (Vitalität durch Heilfasten) von René Gräber übernommen habe und der fast immer für alle gemeinsam funktioniert:

Möglichst naturbelassene Lebensmittel essen.“ 

Möglichst heißt dabei: Es gibt Ausnahmen, aber die sollten nicht die Regel sein oder überdurchschnittlich oft vorkommen.
Naturbelassen bedeutet: Obst und Gemüse mit essbarer Schale, Getreide auch als Vollkorn, Milchprodukte mit natürlichem Fettgehalt.
Keine Zusatzstoffe (wie z.B. Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker…)
Keine industriell veränderten Nahrungsmittel (wie z.B. separierte Zuckerarten (Glucosesirup!))
Lebensmittel heißt: Frische („lebende“) Zutaten, die nicht nur Energie sondern auch genügend Vitalstoffe liefern, am besten also regional und saisonal, dabei geringverarbeitet und schonend zubereitet, bunt wie das Leben: abwechslungsreich und vielfältig.
Essen: und zwar nicht runterschlingen, nebenbei verdrücken… sondern in Ruhe und mit Genuss!
Möglichst wenig oder gezielt mit Genuss (und leichter gesagt als getan):
Zucker (am ehesten natürliche Zuckerarten oder Haushaltszucker)
Weißmehl
Fleisch (v.a. Schwein)
Genussgetränke (Kaffee, schwarzer Tee, Alkohol, Cola und Limos)
Zusatzstoffe (Konservierungsmittel, künstl. Aromen, Farbstoffe…) 

Nun lasse ich mich von diesem Grundsatz nicht versklaven, wenn dich die Liste stresst, dann vergiss sie ganz schnell wieder. Es gibt hier auch mal eine Fertigpizza (leider vertragen die nicht alle) oder die Lieblingsmaultaschen aus dem Kühlregal auf den Tisch, aber als Orientierungshilfe finde ich den Grundsatz sehr wertvoll (siehe erster Punkt: „möglichst“) und je nach Lebensphase und persönlichem Leidensdruck sind wir konsequenter oder großzügiger mit den Kompromissen.

Ich habe mich gefragt, kriege ich das Ganze überhaupt in einem Alltag mit wenig Zeit und Muße fürs Kochen umgesetzt?
Da war doch was mit Quadratur des Kreises usw.? Um nicht immer bei den gleichen Gerichten hängenzubleiben hilft mir seit Längerem mein Wochenplan und er hilft mir auch, einfache Alternativen zu den schnellen Fertiglösungen zu finden. Ich habe 7 Kategorien für die Woche, in die ich auch meinen Rezeptordner eingeteilt habe.
Jedes Mal am Anfang des Schuljahres gleiche ich unsere Termine ab und schaue, wer wann zuhause ist und isst, wann ich einkaufen gehen kann und wieviel Zeit zum Kochen bleibt und welche Kategorie am besten zu welchem Wochentag passt. In dem Ordner habe ich einige Ideen und Grundrezepte zu den einzelnen Tagen oder ich lasse mich beim Einkaufen von dem aktuellen Gemüseangebot inspirieren.

Wie mein Wochenplan in diesem Schuljahr aussieht und welche Lieblingsrezepte dazu passen, will ich dir gerne verraten. Dank Corona läuft zwar gerade vieles anders als sonst, aber die Struktur hilft mir gerade trotzdem sehr: 

Montags „Suppe“:
Montags ist immer viel Organisatorisches zu erledigen und da ich vormittags schon öfters vor leeren Regalen stand und den Einkauf lieber auf andere Tage verschoben habe, gibt es eine schnelle Suppe, z.B. aus gekochten Kartoffeln (Reste), vorrätigem Gemüse oder TK-Gemüse.
Dieses Rezept hier mögen bei uns alle und es ist absolut schnell (in 10-15min) gemacht:

Caldo Verde

Caldo Verde (Spinatsuppe) (4Pers)
Ca. 700g Kartoffeln, gekocht
ca. 700g TK-Spinat (Blatt oder gehakt, portioniert eingefroren) (oder auch Brokkoli – 5min länger) in
1l Brühe aufkochen
200ml Sahne oder Frischkäse dazu
Alles mit dem Pürierstab durchmixen.
Abschmecken mit Salz, Pfeffer, Zitronensaft, 2 EL Olivenöl
Dazu evtl. Wiener, Kaminwurzen oder gewürfelte Salami (dann weniger würzen)
Frisches Brot
(Variante: noch schneller und wenn keine Kartoffeln da sind:
2P Kartoffelpüreepulver (Bio ohne Zusätze) mit 500ml Milch in die kochende Brühe rühren)

Dienstags „Aus dem Ofen“:
Weil mittags alle länger Schule haben und ich nachmittags mit der kleinen Tochter unterwegs bin, mache ich abends etwas Warmes, was ich gut vorbereiten kann (oder auch die Großen zubereiten können) und in den programmierten Ofen stellen kann: Aufläufe mit restlichen Nudeln, Reis, Soßen usw., Flammkuchen, Pizza oder unsere Lieblingsquiche:

Hier gab’s die Quiche mit einer Füllung aus Kraut-Hackfleischsoße

Quiche (1 Blech, 6 Pers)
Teig: 400g Mehl (halb Vollkorn, halb 550er)
200g Butter
2 Eier, etw Salz verkneten und auf dem Blech verteilen, andrücken
Füllung: ca 800g Gemüse (5min vorgegart oder TKSpinat aufgetaut, Reste…)
200-400g Schinken (oder Lachs, Feta), gewürfelt auf dem Boden verteilen
6-8 Eier mit
200ml Sahne und 200ml Milch verquirlen und drüber gießen
100g Käse, geraspelt drüber streuen
175° Ober-/Unterhitze, 2. Schiene von unten, 35min
(Diese Quiche ist auch kalt der Renner und unser beliebtestes Mitbringsel für Buffets.
halbes Rezept für eine Springform/ Quicheform)

Mittwochs „Schnelles Reisgericht“:
An diesem Tag bin ich vormittags unterwegs und am Nachmittag haben wir viele Termine, dazwischen passt ein schnelles Reisgericht mit Soße. Unser Lieblingsgericht habe ich von meiner Schwiegermutter, es stammt (abgewandelt) aus Costa Rica, wo mein Mann einige Jahre seiner Kindheit verbracht hat:

Frijoles (4-6 Pers)
Reis kochen 
1 Zwiebel grob würfeln oder 2 Knoblauchzehen, einige Schnittlauchblüten
In Olivenöl andünsten
125-250g mageren Speck (Fleisch-/Schinkenreste) gewürfelt dazu
3D schwarze Bohnen oder Kidneybohnen, abspülen und dazugeben
Mit Brühe auffüllen (nicht ganz bedeckt), aufkochen
200g Schmand dazu, alles pürieren.
Dazu grünen Salat, Rohkost

Unsere Kinder mögen den Salat am liebsten ohne Dressing. Salat mit Wurzeln stelle ich im Blumentopf gerne einfach so auf den Tisch, für mich pflücke ich etwas Rucola, die wie Unkraut in unserem Garten wächst.

Donnerstags „Süß oder Reste“:
Fast alle unserer Kinder haben ein „süßes“ Lieblingsessen: Milchreis, Grießbrei, Eierkuchen (= „Pfannkuchen“ für alle, die außerhalb von Berlin aufgewachsen sind :) ), mit Apfelmark ohne Zucker muss das ja gar nicht mal so „süß“ sein.
Für diejenigen, die das gar nicht mögen, findet sich eigentlich immer noch eine Portion von etwas anderem im Kühlschrank
oder es gibt „strammen Max“ (Brot mit Schinken/Salami und Spiegelei).

Freitags „Kartoffelgericht“:
Am Ende der Arbeitswoche essen wir gerne abends zusammen warm, gerne aus dem Ofen, gerne mit Fisch. Ein beliebter Klassiker, den wir aus unserer Zeit in Nordhessen mitgebracht haben sind da die Kartoffeln vom Blech.

Schibbeln mit grüner Soße
Kartoffeln gründlich waschen, abbürsten (ein Topfschwamm hilft auch), flach halbieren und auf ein Blech mit Backpapier legen. Mit Olivenöl bepinseln und mit Kräutersalz (evtl. noch Rosmarin, Pizzakräutern…) bestreuen. 175°, ca. 30min (2 Bleche brauchen länger) backen, bis sich knusprig goldene Bläschen auf den Schnittflächen bilden.
Grüne Soße (4Pers)
1 Handvoll/1Bund Kräuter /7EL TK-Kräuter (Schnittlauch, Petersilie, Zitronenmelisse, Zitronenthymian, Bibernelle, Oregano, Ysop, Liebstöckel, Borretsch, Dill, Sauerampfer, Kerbel, Estragon… was der Garten hergibt) mit
1 TL Salz, 1/2 TL Zucker, 1 Msp Pfeffer/Ingwer, 1EL Öl, Saft 1/2 Zitrone
in 200ml Schlagsahne oder Saure Sahne/Joghurt mixen (mit frischen Kräutern wird’s richtig grün).
500g Quark (oder 300g Frischkäse und 200g Schmand) unterrühren.
Dazu gekochte Eier oder Fisch/ Backfischstäbchen, Grillgemüse, Rohkost.

Samstags „Fleischgericht“, etwas Aufwändigeres: 
Am Samstag schlafen wir länger und brunchen dann ausführlicher, mittags gibts eher nur eine Quarkspeise und abends dann ein aufwändigeres Gericht, auch mal mit mehr Fleisch.

Sonntags „Schnelles Nudelgericht“:
Am Sonntag will keiner von uns gerne länger in der Küche stehen. Wenn wir aus der Kirche kommen ist es meist schon spät und alle haben Hunger und wir laden uns gerne auch mal Spontanbesuch ein. Deshalb sind Nudeln mit Soße für uns an diesem Tag idealer als der klassische Sonntagsschmaus. Wenn es etwas Besonderes sein soll, gibt es z.B. „Heu und Stroh“ (weiße und grüne Bandnudeln) und dazu am liebsten eine Krabben-Sahnesoße (auch wenn wir keine ursprünglichen Norddeutschen sind, mögen wir es gerne maritim). – Aber auch ganz simple Spiralnudeln mit Schinkensahnesoße sind sehr beliebt.

Heu und Stroh (4 Pers)
500g Nudeln kochen (Original: grüne und weiße Bandnudeln) und abgießen
1 Knoblauchzehe im Topf in
3-4 EL Olivenöl mit
200g Krabben (TK oder Kühlung, abgewaschen) (oder Räucherlachs/ Schinkenwürfel) andünsten, mit
200ml Sahne und 100ml Milch aufgießen, etwas einköcheln lassen.
Würzen mit weißem Pfeffer/ Ingwer, Salz (nicht bei Krabben in Lake, geräuchertem Schinken)
Saft 1/2 Zitrone (1-2EL) und Dill bei Krabben, Lachs/ ohne Zitrone und mit Oregano und Basilikum bei Schinken 
Die Nudeln wieder dazugeben und durchmischen.
Dazu geriebenen Parmesan und Salat/Rohkost.

Variante mit Lachs und Schnittlauchblüten bzw. Spargel (mit den Nudeln mitgekocht) und Schinken

Ich kann dir nicht sagen, wieviele Wochen wirklich nach diesem Plan ablaufen, vielleicht weniger als die Hälfte, aber das macht nichts. Das passt nämlich zu meinem Motto für einen entspannteren Haushalt und Familienalltag:

„Ohne Plan läuft nichts und es läuft nichts nach Plan.“

Der Plan hilft mir mich zu strukturieren und den Fokus auf das, was mir wichtig ist nicht zu verlieren. Aber wenn mir eine bessere Idee kommt oder jemand spontan meine Pläne durchkreuzt, dann tausche ich eben beliebig hin und her, naja, manchmal mehr und manchmal weniger begeistert. 

Mama, was gibt’s zu essen? Darauf antworte ich manchmal einfach: „Ich weiß es nicht, schau mal, was auf dem Menüplan am Küchenschrank steht.“ Solch einen für alle lesbaren Plan kann ich dir wirklich nur empfehlen. Dadurch habe ich ein Thema weniger, über das ich mir täglich Gedanken machen muss und das Speicherplatz bei meinen grauen Zellen beansprucht und außerdem hilft es den Kindern zu akzeptieren, dass es mal etwas gibt, was sie nicht so sehr bevorzugen, wenn dann schon ersichtlich ist, dass auch ihr Lieblingsessen in der Woche dabei ist.

So, da hast du einen Einblick in meinen Plan für ein gelungene(re)s Familienessen.
Viel Spaß beim Ausprobieren und guten Appetit mit Ruhe und Genuss!
Ich kümmere mich dann mal um den Abwasch.

Noch mehr Ideen zum Thema Essen mit der Familie findest du übrigens bei Sandra, die die Blogparade auf ihrem Blog 7Geisslein letzte Woche gestartet hat.
Demnächst geht es weiter mit mehr Inspiration zum Thema bei Nici von milchundhonig und bei Eveline auf vomwahrenleben.
Bei Antschana auf mamaabba gibt es übrigens eine schöne Menüplanvorlage zum herunterladen und viele ältere Essenspläne, die ich immer wieder inspirierend fand.

4 Gedanken zu „Mama, was gibts zu essen“

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