An(ge)dacht, Auftanken - Ausbrennen, Erlebt, Familienleben

Mehr Qualm als Licht

von glimmenden Dochten und einer unperfekten Adventszeit

Von „Mache dich auf und werde Licht“ war in dieser Adventszeit hier nicht sonderlich viel zu sehen und zu spüren, nicht viel von dem, was man gemeinhin so für adventlich hält, obwohl ich die Adventszeit eigentlich sehr gerne habe und der Vers aus Jesaja 60,1 ein Lieblings-Adventskanon von mir ist.

Hier war irgendwie mehr Qualm als Licht in dieser Zeit.

Nicht weil wir, kaum, dass wir die Kerzen angezündet hatten, sie gleich schon wieder auspusten und zum nächsten Termin eilen mussten.
Nein, meine Familie weiß mittlerweile ganz gut Bescheid, dass bei mir keine Kerzen (außer auf dem Geburtstagskuchen) ausgeblasen werden, denn ich finde den stinkenden Qualm unausstehlich. Damit es gar nicht erst so qualmt, werden die Dochte kurz zum Löschen mit einem Streichholz ins flüssige Wachs getaucht und wieder aufgerichtet.

Aber doch: Statt gemütliche Stunden bei Kerzenschein mit Basteln, Vorlesen, Backen und dergleichen zu verbringen, habe ich mich beispielsweise zum ersten Mal in meinem Leben mit ein paar Läusen und allen Folgen, die das in einer 7köpfigen Familie nach sich zog, auseinandersetzen müssen. Nicht genug, tags drauf ging ein Kind auf der Busfahrt von der Schule nach Hause verloren (scheinbar – aber das Missverständnis klärte sich erst auf, nachdem ich mit der ganzen Familie einen Nachmittag mit dem Auto durch die Gegend gekurvt bin und wir 1 1/2 Intrumentalunterrichtsstunden verpasst hatten.) Eigentlich hätte der Rest der Familie zuhause mit der Babysitterin basteln können, aber die war ebenso wie alle anderen verfügbaren Helfer für ein paar Wochen krank. Zu dem hatte ein Kind eine belastende Situation in der Schule zu verarbeiten und kam nicht gut zum Schlafen, und wenn ich selber endlich lag, dann kamen mein Kopf und mein Bauch auch nicht zur Ruhe. Eine Eisenmangelanämie diagnostizierte mir die Ärztin mal wieder, nachdem ich endlich den Weg in die Praxis geschafft hatte, da hätte ich eigentlich auch schon früher drauf kommen können. Ich könnte die Liste endlos fortsetzen mit Herausforderungen in allen Lebensbereichen.

Von daher war hier mehr Qualm als Licht in der letzten Zeit.

Ja, ich selbst komme mir in diesem Advent wie ein glimmender Docht vor, zum Leuchten reicht es nicht mehr, es glimmt und qualmt nur noch ein bisschen. In der ganzen Hektik, dem Alltagstrubel, den zusätzlichen Herausforderungen, die uns hier fast täglich den Plan durcheinandergeworfen haben, hat es meine Flamme ausgeweht, ich bin ganz außer Puste geraten – ausgepustet eben. Und was ich dann so von mir gegeben habe, war nicht sonderlich erhellend, herzerwärmend, hilfreich oder erfreuend, wohl eher stinkig. Wahrscheinlich war ich ziemlich oft unausstehlich.

In dieser Situation kam mir im wahrsten Sinne des Wortes ein Lichtblick in Form eines Verses in den Kopf: Jesaja schreibt über den kommenden Retter, also von Jesus:

„Den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“

Was stellt man denn mit einem glimmenden Docht an? Wenn eine Kerze aufgebraucht ist oder vom Wind oder sonst wie ausgepustet wurde, wenn die Flamme weg ist, die Kerze kein Licht mehr gibt, aber ein letztes bisschen Glut im Docht ist, die glimmt und eine Menge Qualm produziert… –  was macht man damit? Es raucht und stinkt, das nervt, das nützt niemanden etwas – was ich dann tue – s.o. -, ist, die Finger nass zu machen und die letzte Glut möglichst schnell auszudrücken oder mit Hilfe eines Streichholzes im flüssigen Wachs zu ertränken.

Wenn ich meiner Bestimmung zu leuchten nicht gerecht werde, sondern nur noch Qualm von mir geben kann, der meine Umgebung belastet, anstatt dass ich Licht spende, das nützt, hilft und erfreut, dann bleibt es auch nicht aus, dass meine Mitmenschen meinen Qualm nervend und belastend finden, meine miese Stimmung mit ihrem Gegenwind noch mehr anfachen oder mir lieber aus dem Weg gehen, weil sie mich schon aufgegeben haben oder mein Problem auch nicht lösen können.

Ich schaue nochmal zur Kerze: Wie kriegt man einen glimmenden Docht wieder zum Leuchten? Man könnte versuchen zu pusten: Aber je mehr man sich bemüht, der Docht glimmt zwar etwas heller, aber er raucht auch umso stärker. Das hilft leider nicht, man muss die Kerze neu anzünden.

Den glimmenden Docht neu anzünden? Plötzlich erinnere ich mich an ein Experiment und beginne ganz neu zu staunen. Probier es am besten gleich selbst einmal aus:
Zünde dir eine Kerze an und lass sie einige Minuten brennen. Dann nimm ein brennendes Streichholz in die Hand (oder eine zweite lange Kerze) und puste die erste Kerze aus. Du siehst die Rauchfahne, die der glimmende Docht noch von sich gibt. Halte nun die brennende Flamme etwa 2-3cm über dem glimmenden Docht (!) an die Rauchfahne. Weißt du, was nun passiert?:
Es dauert nicht mal einen Augenblick und das Feuer schlägt auf die erloschene Kerze über, der glimmende Docht brennt wieder neu!

img_0774.jpg

Ich finde das ein geniales Bild dafür, wie ich wieder neu zum Brennen und Leuchten kommen kann.
Was ich tun muss, ist eigentlich ganz einfach. Ich kann mich selbst nicht wieder anzünden, ich muss aber auch nicht warten, bis Jesus, das Licht der Welt, sichtbar zu mir kommt und meinen Docht neu anzündet, sondern ich kann einfach alles, was mich belastet und bewegt, auch hässliche, klagende und verzweifelte Worte, diese Rauchfahne, die aus mir herauskommt, in die richtige Richtung lenken, nämlich in ein Gebet stecken, das zu Jesus aufsteigt. Manchmal brauche ich jemanden, der mir hilft, so ein Gebet zu formulieren und vor Gott zu bringen. Ich bin sicher: Gott erhört jedes ehrliche Gebet!

„Er wird den glimmenden Docht nicht auslöschen.“ (Jesaja 42,3b)
Es ist zum Staunen, wie blitzschnell er mich neu zum Brennen bringen kann, wie er seinen heiligen Geist sendet, der mein Herz berührt und verändert!
Das klingt jetzt irgendwie viel zu simpel, aber wirklich, ich bin gerade begeistert, welche ungeahnten Wendungen manche Herausforderungen schon genommen haben, nachdem ich – zum Teil mit einigen Freundinnen – dafür gebetet habe! Mein Kind kommt am nächsten Tag zu mir und sagt: „Mama, ich kann jetzt wieder besser schlafen.“ In einer verfahrenen Beziehung gibt es wieder Annäherung, ich kann meinen Blick wieder auf das Wesentliche richten und die schönen Details am Rande bemerken. Es ändert nicht gleich alle Umstände, aber es geschieht etwas in meinem Herzen.

Ich bin sehr dankbar, dass Weihnachten nicht dann ist, wenn wir alles schön zurecht gemacht und beleuchtet haben. Gott lässt es auch nicht deshalb Weihnachten werden, weil wir uns mit viel Mühe perfekt darauf vorbereitet haben und den besten Glanz und Lichtschein aus uns herausgeholt haben. Der Grund für Weihnachten ist, dass hier eben nichts perfekt ist. Weihnachten bedeutet, Gott selbst bringt Licht in unsere Dunkelheit, Jesus kommt, um unsere glimmenden Dochte neu anzuzünden. Er liebt uns (qualmend) wie wir sind und weiß, welch wunderbares Licht aus uns noch werden kann. Ich will mich neu von seinem Licht entzünden lassen, so, wie ich es in dem Gebet über „Jesus, das Licht der Welt“ beschrieben habe.

In diesem Sinne wünsche ich dir fröhliche, (er)leuchtende Weihnachtstage und hoffe, wir lesen uns im neuen Jahr wieder!

Deine Jojo

PS: Erklärung des Phänomens:
Der „Qualm“, den der glimmende Kerzendocht nach dem Ausblasen der Flamme erzeugt, ist im Prinzip ein brennbarer Wachsdampf, über den die Flamme auf den glimmenden Docht springen und ihn neu entzünden kann.

5 Gedanken zu „Mehr Qualm als Licht“

  1. Liebe Jo-Jo,
    ich muss ja gestehen, dass ich denn Geruch von Rauch irgendwie mag. Man sieht dann nicht nur das Licht, man riecht es auch. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich Pfadfinderin bin. Der Geruch einer ausgeblasenem Kerze weckt sehr viele Erinnerungen an Lagerfeuerabende und Fakelwanderungen in mir.

    Aber ich finde dein Bild wirklich wunderschön! So ist es. Wir sind selten ein schönes warmes Licht, aber er ist es immer und kann uns immer wieder neu entfachen und ihm dadurch änlicher machen. Vielen Dank dafür. Unsere Adventszeit läuft auch überhaupt nicht nach Plan, aber das spielt für Gott keine Rolle.

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    1. Liebe Eveline, ich weiß, ich habe eine spezielle Nase ;) , die alle Gerüche sofort in eher gesund und ungesund, zu stark, zu künstlich usw. einsortiert, und ich kann mich dem nicht entziehen, dass mich Vieles sehr schnell stört. Aber ich habe eine tolle Familie, die darauf gerne Rücksicht nimmt.
      Ich wünsche dir wunderbare Weihnachten mit deiner Familie. liebe Grüße, Jojo

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  2. Liebe Jojo, das ist ganz wunderbar erkannt und geschrieben. Auch hier ist es zur Zeit eher unpefekt verchaost. Aber das war es damals, als Jesus unterwegs in diese welt war ja auch :) Ich wünsche euch viel von seinem Licht in eurem Haus und all unseren unperfekten Leben. <3

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    1. Liebe Bettina,
      genau, so war es damals auch, und ich glaube, ich habe die besten Erinnerungen an Weihnachtsfeste, an denen wir irgendwie improvisiert haben.
      Ich wünsche euch auch ein wunderbar strahlendes Fest mit Jesus! Ganz liebe Grüße ❤️

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